KermitUSAlem - zeit-los-gelöst

 
22Oktober
2013

An Grenzen bringen...

...

20Februar
2013

(V)Erregen

Nachmittag ist es. Frueh am Nachmittag und auch an diesem Tag fehlen mir die Umlaute.Ich habe letzte Nacht im Altautorausch wiederholt lange am Rechner verbracht, und die Zeitumstellung macht mir jetzt auf neue Art und Weise zu schaffen:

Die Leute werden munter, wenn ich ins Bett zu gehen gedachte, und wecken mich wieder auf.

Es trudeln erste Mails aus Deutschland ein, und wieder habe ich die Schwelle ueberschritten, die hier bei den 8 Stunden Zeitminus zu Deutschland gefuehlt so klein ist wie der Bestand an Altsaab in El Paso -sie besteht also nach bisherigen Erfahrungen so gut wie nicht.Waehrend ich aus meiner Augenzuklappphase in die naechste Munter- und Schreibphase schlittere, faellt mir diese "Parallelweltwirtschaft" auf:

Ich bin hier, und ich bin dort - gleichzeitig.

Bedeutet das Trennung, oder bedeutet es Vervielfaeltigung? Ich sitze hier vor einem Bildschirm, es ist so spaet am Abend, dass es schon wieder frueh am Morgen ist, und in meinem Posteingang ist's "morgens halb 10 in Deutschland". Wir beginnen, die letzten Funde der Nacht auszuwerten und verfallen ins verschriftlichte Quatschen, dass die Zeit... Zeit? So schnell ist sie vergessen, wie durch meine Mithilfe, und da kommt die ganze Freiwilligkeit in meinem Dienst durch, auch die zubereiteten Genuesse es sind - wirken sie aber gelegentlich noch mehr nach, als das Vergessen der Zeit.Bevor ich mich also nicht nur vergesse, sondern auch verliere in der Unkonkretheit, schnell zurueck zum Nachmittag:

Ich bin schon seit einigen Stunden hier wieder unterwegs, es ist mein "day off", und so sieht's auch nach einem Blick durchs Fenster aus: Irgendwer hat den off-Schalter betaetigt, das Licht ist weg. (wie)Der Grund, (wieder) nicht herausgezogen, wie-der innere Schweinehund es die letzten Tage auch schon durchgesetzt hatte. Da sitze ich also, hier drinnen, und meinte doch gerade noch ich kannte den Tag schon seit einigen Stunden, da, da, da laeuft mir das Wasser im Mund zusammen wie von den Bordsteinkanten herunter. Auch meine Augen werden feucht, und ich kann's kaum richtig sehen, doch: es regnet!

Es wirft kleine Bomben von oben, die, wenn sie auf dem Asphalt zerplatzen, den Duft der Heimat freisetzen - und die Wolke ist so stark, dass es mich beinahe umhaut. Es duftet nach Zuhause, nach Vertrautheit, nach derselben Art des "Wir regnen uns jetzt erstmal aus und beginnen den warmen Tag dann noch einmal von vorn". Welchen Tag meinte ich soeben noch zu kennen? Ich wache innerlich auf, werde erstmal richtig wach, laufe im Stillstand zur Hoechstform auf und stehe da erst einmal fuer ein paar Augenblicke vor dem Haus, weil, weil... einfach weil. Es ist feucht, und es ist einfach nur wunderschoen. Ich begleite in einem der hauseigenen Wagen eine Mutter und die fahrende Freiwillige und nehme wahr, was vorher vertraut, aber meist nur noch wenig bewusst war:

Die Scheibenwischer von rechts unten nach links oben, schnell zurueck, Luft holen, einen neuen Satz, und wieder zurueck, Pause, und wieder von vorn. Die Autos auf der Ueberholspur, denen ich dabei zusehe, wie sie zuerst die Tropfen an ihre Kotfluegel werfen und dann mit eigener Geschwindigkeit wieder nach hinten abstreifen. Der leichte Schaumfilm auf der Strasse, der sich als weisse Spur vor uns herzieht, gelegentlich verschwindet, dann wieder auftaucht, und so weiter, und so fort. Wenig spaeter stehen wir, und ich fange zum zweiten Mal an diesem einen Tag, oder zum ersten Mal an diesem zweiten Tag an, die Zeit zu vergessen:

Die Tropfen prallen auf das Blechdach, doch sie zerschlagen nicht, sie zerhauen nicht(s), sie schmiegen sich in einer gar atemberaubenden Geschwindigkeit zu einem nassen Film zusammen - mit denen, die vorher schon unten angekommen waren, und direkt mit denen, die ihnen von oben gefolgt sind. Noch er-regen-der dabei aber ist, welches Trommeln sie loswerden. Was wiegt so ein Tropfen, und was erzeugt er beim Auftreffen und Auseinandergehen fuer ein Geraeusch?! Die Freiwillige ist auf andere Art erregt, aber wegen desselben "Zustandes", der mehr als nur irgendeiner ist. Was -regen- wir uns eigentlich ueber das Wetter auf, wenn es diese Energie freisetzt, diese Schoenheit ausstrahlt, diese Faszination entflammt? Die Freiwillige spricht: "Do you remember what you did the last time it rained" - der Regen ist nicht nur Abkuehlung, der Regen ist nicht nur Frische in der Nase und auf der Haut, nein, der Regen ist Vergegenwaertigung. Er laesst hier im Besonderen bewusst werden, wie selten er ist, und dadurch Erinnerungen wecken an die letzte selten eingetretene Situation. Das ist es, was die Freiwillige sagt:

Erinnerst Du Dich was Du getan hast, als es das letzte Mal geregnet hat?

So komme ich zu Euch und trete an Euch heran, mit derselben Art und Weise, aber doch ganz anders:

Erinnert Ihr Euch was Ihr getan habt, als das letzte Mal so richtig die Sonne geschienen hat?

Ich wuensche Euch erfrischende und erhellende Stunden - geniesst es, geniesst die Abwechslung und erinnert Euch daran, dass es bald wieder anders kommen kann. So geht mein Tag zu Ende, waehrend Eurer sich dem Tageslicht schon allmaehlich entgegenbewegt.

Aus El Paso erregnete, verregende, aufregende, gesegnete Gruesse, denn der Segen folgt dem Regen selbst nach einfachsten alphabetischen Regeln sofort,


Stefan

31Januar
2013

Ein kurzer Zwischenstand

 ...aus El Paso. Nun, ich dachte vorher auch daran, mir mit der ersten weiteren Rundmail Zeit zu lassen, habe aber soweit mitbekommen, dass es an Arbeit hier nicht mangelt, was umso mehr für mich bedeuten könnte, dass die Zeit für den ersten Zwischenstandsbericht sonst womöglich in einige Ferne rückte - daher nun also doch die Schilderung der ersten Eindrücke, bevor sie verblassen, denn allein die Reiseetappen hatten es schon in sich (ich baue es ausnahmsweise auch mal anhand der Reiseetappen auf, das gibt mehr Struktur):

Ich hatte im Vorfeld schon einige Zeit überlegt, wie ich dem unangenehmen Gefühl des Alleingelassenwerdens aus dem Weg gehen könnte, das sich bei einer Flughafenverabschiedung einstellen könnte - vielleicht bin ich da auch nur zu sehr TV-geblendet, ich weiss nicht genau... jedenfalls hatte ich leichte Bange davor und wollte daher möglichst gewohnt abreisen - was ich dann auch tun konnte. Danke für das Verständnis an Mama und Papa - auch, wenn es im ersten Moment schwerfiel, dies rüberzubringen, so fiel mir es während der Abreise deutlich leichter, mich von der Heimat zu entfernen. Ich fuhr also am Samstagnachmittag nach ebenso gewohnter Packwut (als hätte ich's erst einen Tag vorher gewusst...) im IC von Naumburg nach Frankfurt, um zur angedachten Zeit am Sonntagmorgen gegen halb 9 am Flughafen heil und ohne Zeitdruck ankommen zu können (ich erwaehnte in der letzten Mail die Blitzeiswarnungen - vielleicht galten die auch für Grönland, wie weiter unten zu sehen, in Frankfurt sah ich davon jedenfalls nix). Vom Gefühl her war die Bahnfahrt nichts Ungewöhnliches - ich hatte das ganze Abteil für mich allein, konnte mich ausbreiten wie eh und je und in Ruhe 'nen Kalender zusammenbasteln - und war dabei gar nicht so drauf, als wäre ich in etwas Weites aufgebrochen... ich fuhr einfach zur Übernachtungsmöglichkeit...

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...und liess mich am nächsten Morgen - ebenso gewohnt - im Saab (ich versprach: Erklärung folgt) zum nächsten Abreisepunkt fahren. Beim Einladen in den Saab-Kofferraum kam mir schon der Eindruck auf: 'Zu viel Gepäck, aber deutlich!' (und dann auch noch so dämlich mit 'nem Rucksack, dessen Schnallen und Gurte sich in jedem Transportband verfangen können...) 

Ich stand da also am Check-In, d.h. am Condorschalter mit meinem Flugschein in der Hand, und erntete den ersten verdutzten Blick: "nur oneway - warum das?!" Ja, Einfachflug, weil Auslandsfreiwilligendienst für ein Jahr und... wenn das schon so losgeht! Durchhalten - Ruhe bewahren. Mein großer Rucksack rollte inzwischen sein erstes Band entlang und wurde direkt von einem Mitarbeiter "abgefischt" - immer fein die Extrawurst! 

Ohne Aufruf und Zurückgewunkenwerden befand ich mich einige Zeit später doch im Flieger, zudem an einer Fensterseite, und noch zudemer an einem mit einem Rollstuhl gekennzeichneten Doppelplatz - sollte mir das zu denken geben? So waren das auch so mit die ersten Worte, die ich mit der Sitznachbarin wechselte: "Handicap? Your decision to sit here?" (Behinderung? War das Ihre Entscheidung, hier zu sitzen?) Das klingt nun härter, als es sich tatsächlich zutrug, aber warum immer ausgerechnet ich? Für rund 300 Euro einen Direktflug von Frankfurt nach Las Vegas ergattert zu haben, und dann auch noch im Economy-Bereich einen Platz mit mehr Beinfreiheit zugeteilt zu bekommen, neben einer Person, mit der ich direkt Englisch und Muttersprachenspanisch (sie stammt aus Costa Rica) üben konnte, das ließ mich zum ersten Mal auf der Reise den "magic touch" spüren.

Die Bordbildschirme zeigten zum Start knappe 9000km Entfernung (und ca. 12h) bis zum Flugziel, und bei einer Höhe von ca. 5800m blickte ich das erste Mal richtig bewusst aus dem Fenster - und was ich sah, war Weiß, und zwar ausschließlich. Und zwar so richtig: WEISS! Ich habe noch nie so sehr in etwas hineingesehen, und dabei ins Nichts geschaut - wobei es viel mehr als einfach nur 'nichts' gewesen ist. Als hätte da wer eine zusätzliche Dimension aufgemacht: weder 3D, noch 2D, noch irgendetwas Vergleichbares. Ich schaute einfach raus und konnte weder Entfernung noch Tiefe noch irgendetwas anderes einschätzen - und doch schaute ich, weil ich es einfach nicht fassen konnte - buchstäblich. 
Ich habe davon auch kein Bild geschossen, weil ich so fasziniert gewesen bin und das nicht durch ein hier gezeigtes Photo darstellen wollte... ich könnte jetzt einfach behaupten 'nehmt folgendes Bild und stellt Euch vor, alles innerhalb des Fensterrahmens sei weiß', und doch träfe es das nicht einmal im Ansatz.

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Draußen waren es in der Luft stellenweise bis zu ca. -50 Grad Celsius, und die Boeing ca. 11.000m über Normalnull. Da war es also, das Blitzeis. 

Und ich 11km, elf Kilometer über all dem, was ich unter mir sehen konnte. Ich weiß in der Horizontalen, wie weit 11km sein können, ohne am Ende das Ziel auch zu erblicken, doch 11km über dem Boden zu sein und ihn dabei auch zu sehen, ohne diese Weite erfassen zu können, das war das nächste Neue für mich. 
Nochmal: elf Kilometer. Und das nach oben. "Einfach" so... 

Derweil rollt der Getränkewagen wiederholt vorbei, und die gute Frau neben mir greift wiederholt zum Tomatensaft, während ich zwischen Mineralwasser, Orangen- und Apfelsaft hin- und hertanze. 

Wenig später werden die für längere Zeit in die USA Einreisende auszufüllenden Zollerklärungen ausgeteilt... also ehrlich: "Ich führe Folgendes ein: 'Krankheitserreger'" - aber auf jeden Fall doch! "'Boden/Erde, bzw. ich war in einem landwirtschaftl. Betrieb'" - auch das... also ich mein' ja, war ich ja wirklich. Vielleicht noch einen Spider Man mit im Rucksack?! 
Aber immer dabei: der Kiwi. 

Ich hatte viel Freude mit meiner Sitznachbarin... sie flog von einem Besuch bei einer der Töchter samt Enkeln in den Niederlanden zurück, und am meisten beeindruckte mich diese Leichtigkeit, mit der ich mit ihr kommunizierte: seit 10 Jahren lebte sie in den USA, und doch konnte ich mit meinem nie zuvor im Alltag erprobten Englisch so locker mithalten, wir unterhielten uns problemlos, plötzlich war da ein Wortschatz da - wo kam der nur her?!

Mit dem Spanisch klappte das noch nicht so leicht, aber das wurde nicht zum Problem... das Wichtigste während des Fluges konnte ich ja erfragen, als weitere Turbulenzen auftraten und wir durch die Höhenwinde flogen:
"Sagen Sie, was sagt man im Spanischen, wenn man "brüähh" machen muss?"
Und sie kritzelte es wackelnd in meinen Mitschreiber:
"Yo necesito vomitar / Yo quiero vomitar"
engl.: "I need to throw away / I want to throw away"
dt.: "Ich muss 'auswerfen' (kotzen) / Ich will/möchte kotzen" (wenn man überhaupt in solch einer Situation vom Wollen sprechen kann)
Also merkt Euch in solchen Gefahrensituationen im Beisein geliebter Mitmenschen: "vomitar" / "throw away"

Das als Antwortausschnitt auf die Frage, wie ich denn so die Flugzeit überbrückt habe. 
Noch ein kurzer Kommentar zum Stichwort Angstfreiheit: die von meinem Platz aus zu sehenden Mitreisenden waren sichtlich angespannt, als wir durch die Luft wackelten, das Flugzeug diesen Winden wie ein Spielball ausgesetzt war, außer einem Kind, das so entzückt auflachte ob seines Bauchkribbelns, dass es damit einige Anspannung bei anderen auf natürliche Weise lösen konnte. :-)

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Nach über elf Stunden, den ersten eigenen Island-, Grönland-, Kanada- und USA-Anblicken also der Landeanflug auf Las Vegas - da stehen inmitten von Wüste einfach mal Häuser... da ist da einfach eine Stadt in den Sand gesetzt worden - oh, was hab' ich geschrieben?! 

Zurück zum "magic touch":
Es gab da ja die Distanz von gut sechs Meilen vom Flughafen zur Greyhound Busstation zu überwinden... sechs Meilen sind grob 10 Kilometer. Mei, dachte ich mir daheim in Deutschland beim Blick auf die Karte im Internet, bei sechs Stunden Zeit zwischen Landung und Busabfahrt kann ich das doch locker laufen. Super Gedanke - da hatte ich weder gepackt noch die ganzen Kleinigkeiten bedacht, die so passieren können...
Da fuhren wir also die Landebahn im Flugzeug so entlang und warteten, an unser Gate rollen zu dürfen - da packten die ersten schon wild ihr Handgepäck zusammen und - superdeutsch, nicht loszukriegen - waren schon so gut wie im Sprung zur Tür, da sagt eine der Flugzeugbegleiterinnen in unvergleichlicher Nettigkeit durch: "Wir ersuchen Sie die Anschnallzeichen zu respektieren". :D

Nach kurzem Rollen standen wir nun an unserem Gate, die Passagiere großenteils in der Schlange zum Ausstieg, und doch passierte: nichts. Da war sie, die erste Kleinigkeit, und der Pilot sprach nun entzückt durch die Lautsprecher: "Ich weiß gar nicht, wie ich es Ihnen darlegen soll... so ein Schauspiel hat sich mir auch noch nicht dargeboten... der Techniker bekommt die Brücke nicht an das Flugzeug angedockt". Mehrere verzweifelte Versuche gab es, und sie bekamen es vom Flughafengate aus wirklich nicht hin, diese Brücke zum Ausstieg mit der Flugzeugtür zu verbinden. Ich juckste auf meinem Sitz, und die Frau aus Costa Rica bekam von alldem kaum etwas mit, war sie doch wild mit Telephonieren beschäftigt... die eine verlassene Tochter, die andere zu empfangende, die Mutter dort... wechselnd ein spanisches, dann wieder ein englisches Telephonat. Stellt einfach eine reife fremdsprachige Frau neben mich, lasst sie quasseln und ich schaue begeistert dabei zu. Und was ich heraushören konnte (nun zum "magic touch"): "I met a great looking guy... a nice guy... yeah, he wants so do a volunteer service... going to El Paso, Texas..." Ich übersetze das mal nicht, selbst wer nicht so wirklich Englisch kann mag sich vorstellen können, wovon sie da sprach...
Und da war's geschehen: ich hatte mein persönliches Taxi vom Flughafen zur Busstation. Und ich habe nun auch noch eine Telephonnummer in der Hand für den Fall der Fälle, dass es mich nochmals nach Las Vegas verschlägt und ich von einer Oma auch hier bekocht werden möchte. Oh Mann...

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Das erste Auto in den USA: kein Sechs-, kein Achtzylinder, nein, tatsächlich ein einfacher aus Deutschland bekannter Kia. 

Bevor ich's vergesse: da laufen wir doch vorher auf der Suche nach der uns abholenden Schwiegertochter die Flughafenhallen entlang und was tönt mir als erstes Lied in den USA entgegen? Da fangen wirklich ABBA an zu singen: "take a chance take a chance take a chance... take a chance on me... dabdidadada..."
All das, nachdem ich (nochmal "magic touch") vorher bei der Einreise vom Beamten nach kurzer Erklärung, was ich denn dieses eine Jahr in den USA wolle (wieder der verdutzte Blick wie in Frankfurt/Main - Freiwilligendienst, volunteer service, dafür fliegt der Kerl wirklich in die USA?!), ein Visum für ein Jahr erhalten hatte. 

Bis vor die Haustür der Greyhound-Station fuhren sie mich, und Maritza, die Großmutter aus Costa Rica, meinte mit jedem gefahrenen Kilometer: "Und, merkst Du? Das wäre nicht zum Laufen gewesen."

So stand ich dann also da, ich Haufen mit meinen Haufen, und als erste Aktion geht mir beim Umpacken doch der erste Kuli verloren - landet in der Betonritze zwischen Bau und Fußweg... kein guter Anfang. 

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Noch mehr erste Schritte in Las Vegas:
die ersten Dollar ausgegeben - drei für das Schließfach ("locker"), dreifünfzig für ein Stück Pizza ("pizza slice"). 
Die ersten Gänge durch die Straßen Downtowns... absolute Leblosigkeit. Wären da keine interessanten Autos gestanden, so hätte mich gar nichts weiter gelockt, weiterzugehen. Wenige Meter um den nächsten Block herum DIE Casinomeile der Stadt, und ich hier allein am Trotten. Und selbst zwischen den ganzen Menschen in der Meile kommt der Gedanke in mir hoch: "Ob man hier tatsächlich Reichtum finden kann?"

So finde ich bald zurück zur Greyhoundstation und esse ein paar Bissen vom Stollen, den ich mir aus einer Kleinstadt in Thüringen mit über den Teich genommen habe... steige kurz nach 20 Uhr in den Bus und freue mich auf die folgenden Stunden - Ankommen nach Plan kurz vor 6 p.m. am folgenden Tag, d.h. 20 Uhr - 18 Uhr Busfahren. Auf, auf!

Soll ich mal wieder kurz zum magic touch kommen? Ahahaaa... im Gebiet der Grand Canyons, Schnee auf dem Highway, der Bus im ersten Gang, ich denke mir verschlafen nur: "Leute, drei Schneekriesel, und hier herrscht schon wieder fast Stillstand - aber gut, der Busfahrer hat ja auch eine Verantwortung, die er wahrnimmt". Irgendwann bekomme ich mit, dass uns die ganzen Trucker mit deutlichem Geschwindigkeitsvorteil überholen - warum eigentlich?
Ich schlafe nicht wieder ein, sondern bekomme mit, wie das Schicksal seinen Lauf nimmt - ich glaub' so langsam bin ich für alles gewappnet:

Nach der Kleinigkeit am Flughafen mit der Brücke am Gate streikt nun ungelogen der Bus - "transmission problem"=Getriebeproblem. Der Automatikrührer kommt nicht über den ersten Gang hinaus, was zur Folge hat, das wir auf dem verschneiten Standstreifen entlangkriechen - und das kurz vor Mitternacht. Was gibt's Angenehmeres, als auf einem Highway entlang der Grand Canyons in der tiefsten Nacht bei Schnee mit 10 Meilen pro Stunde in einem eng besetzten Bus auf dem Standstreifen entlangzujockeln? Da fällt mir wirklich kaum etwas ein *lach*
Ergebnis: wir rollen bis zu einer halbwegs mit Zivilisation gesegneten Ausfahrt, finden uns vor einer geschlossenen Shell-Tanke und unbesetzter Holiday Inn-Lobby wieder, und warten einige Meilen vor Flagstaff auf den Ersatzbus aus Phoenix, der da nach erster Aussage braucht: drei, vier Stunden.
Damit das nicht ein einziger Reisebericht bleibt: was mir dabei auffiel, war die Gelassenheit der Reisenden. Aufwachen, Lagekenntnis, weiterschlafen. Man wird schon ankommen - man erwartet wohl auch bei dem Fahrpreis nicht, dass alles picobello läuft. Ja, in der Gesellschaft fühl' ich mich passend aufgehoben: keine Hektik, keine Panik, auch nicht bei windigen Minusgraden und einschneiendem Bus irgendwo im Nirgendwo.

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Ankunft in Phoenix grob fünf, sechs Stunden nach Plan - der Anschlussbus nach El Paso schon lange weg, denn 12 Uhr ist deutlich nach 8:35 Uhr. "Wann fährt der nächste?" "6.20 p.m." Aah, 18:20 Uhr. Höhö, wann bin ich dann wohl in El Paso? Kurz nach halb drei am folgenden Morgen... mich wird schon wer abholen. 
Ich erhalte aufgrund "Bus broke" zwei Essensgutscheine und zwei Telephonkarten, melde mich damit kurz in El Paso, dass ich später komme, und schaue mal, was es zum "lunch" gibt. 
"Oh, vegetarian?!" Fast derselbe Blick wie auf den Flughäfen zum Thema "volunteer, one year?!". 
Ich erhalte ein frisches Käsesandwich, wirklich frisch aus dem Ofen, dazu Pommes ("fries"), und ein großes Getränk. Ich schreibe: großes Getränk.

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Ich fülle mir den Becher mit Eistee und Limonade, die "contains 0% fruit", genau, ganze null Prozent Frucht enthält. Dazu gibt's auch noch Nachos mit Käse zum Aufpassen und Toilettengängergepäck und ein Treffen auf Joe, den Trucker, der mal bei der U.S. Army und dabei auch in Frankfurt gewesen ist. Ich weiß damit im ersten Moment nicht viel anzufangen: ist es bloßer smalltalk, ist das Oberflächlichkeit, mit jedem das Gespräch zu suchen, oder ist es vielleicht doch einfach nur nett? Es ist jedenfalls eine Art, die ich bisher so nicht kannte und die mir daher aufs Erste so ungewohnt vorkommt - doch deswegen bin ich doch hier: raus aus dem Gewohnten, denn das Neue, das Ungewohnte, das vielleicht auch Unbequeme ist das, was mich weiterbringt, mich eigene Grenzen erfahren lässt, an denen ich wachsen kann. 
So fällt es nicht schwer, mit Joe das Gespräch zu haben... und ich notiere mir zu dieser Begegung ein Zitat von ihm: "guns don't kill people - people kill people" (=Waffen töten Menschen nicht - Menschen töten Menschen)
Es ist die erste Person, auf die ich treffe, die wie in "daheim" gepflegten Klischees, und es sind ja nicht nur welche, so sehr pro "Waffe für jeden" ist, dass es mir wahnsinnig vorkommt - dort zu sitzen, mein Sandwich zu schmatzen, und von einem Südstaatler aus erster Hand vorgeboten zu bekommen, warum und wofür... da gerate ich tatsächlich an meine Sprachgrenzen, erklären zu wollen, dass ich mich sicherer fühle, in einem Haushalt zu leben, der keine Waffen braucht, als in einem Haushalt, der sich seine Sicherheit mit Waffen zu verteidigen gedenkt. 

Ebenso wahnsinnig kommt es mir kurze Zeit darauf vor (Joe ist genauso schnell wieder weg, wie er da war), als ich an der stark befahrenen Kreuzung vor der Busstation in Phoenix sitze und einfach eine Stunde lang die (Verkehrs)Lage beobachte: ja, faszinierend - wie in einen Film gesetzt - ich bin das aber nicht, doch wer sitzt dann an der großen Kreuzung und gafft diesen dicken Dingern (Autos) hinterher?
So ist die Wartezeit der nächste Schritt zu realisieren, wo ICH bin.

Der Bus von Phoenix nach El Paso hält durch, ich erreiche den Projektort kurz vor drei Uhr am Dienstagmorgen - womit die Reise zumindest erst einmal beendet ist. Gestartet am Samstagnachmittag im heimischen Naumburg, erreiche ich El Paso um 2.45 a.m., was dreiviertel 10 Ortszeit am Vormittag in Deutschland entspricht. 
Dazwischen liegen eine Nacht in Frankfurt in einem bekannten Bett und zwei auf Bussesseln, wobei ja nicht ganz auseinanderzuhalten ist, was da nun Nacht gewesen ist und was nicht (bei sieben bis acht Stunden Zeitverschiebung). 

Erfreulicherweise wartet in El Paso auch eine Freiwillige, die ich aus der Vorbereitungszeit schon kenne, auf mich... ein bekanntes Gesicht also. Das tut gut. Drei Uhr morgens öffnet der Bäcker ums Eck und ich bekomme eine Apfeltasche spendiert. Wenige Minuten später komme ich in mein Zi... das ist mein Zimmer für ein Jahr?! Klein, ohne Fenster? 

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Ich versuche das nicht dumm zu nehmen und erblicke kurz darauf eine kleine Nachricht einer Mitfreiwilligen:

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Ja, so mit das beste Zimmer: kein Fenster=guter Schlaf. 
Ganz ehrlich, zu mir: was brauche ich auch mehr? Ich bin hier nicht zum Schlafen. Ich abe Wände um mich herum, ein Bett, Decken gegen Kälte, Kleiderbügel mehr als daheim... ohne Mist: es fehlt an nichts. 
Und am Morgen wache ich auf und merke: es ist gut so, wie es ist. Die Sonnenstrahlen treffen durch die Ritzen, ich werde auf natürliche Weise wach, ich habe nicht gefroren, ich kann beruhigt sein.

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Es gibt hier auch absolut ausreichend zu essen, es gibt hier auch warmes Wasser, es gibt hier einen PC, an dem ich jetzt seit einigen Stunden schon diese Rundmail tippe, immer wieder Buchstaben dazwischenschiebe und mir so langsam bewusst werde, dass ich hier bin, wo ich bin. Die Sprachen prasseln durcheinander... was habe ich eigentlich gedacht im Vorfeld?! 

Mir wurde gesagt: "Du wirst Dich noch umgucken". "Da ticken die Uhren anders, das wirst Du schon sehen."
Nun laufe ich durch El Paso und sehe: ja, sie ticken anders. Jede für sich. 

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Nun sitze ich hier in El Paso und gucke mich um: nach links, nach rechts, hole mir meinen ersten Sonnenbrand und frage mich: wo sind sie, die Menschen?!

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Ich seh' nur den Kiwi (da ist er):

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...und ich laufe einige Minuten später am Interstate / Highway entlang und merke genau in diesem Moment des deutlichen Verkehrlärms, der vorbeirauschenden Trucks:

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Du - Ich - bin in den USA. 

Ich bin so langsam hier angekommen, in den USA. Bei der nächsten Rundmail habe ich dann vielleicht schon gemerkt, dass ich nicht nur in den USA bin, sondern am Grenzpunkt zu Mexiko - in einem Projekt, das nicht umsonst hier ist - in einer Region, in der so Vieles zusammenkommt, und bitte auch Viele zusammenkommen, die zusammengehören, (wieder) zusammenkommen wollen.

Ich sende immer noch leicht befremdliche, doch das variiert auch stark von Augenblick zu Augenblick... ich sende gesunde Grüße von hier...

STefanRUDEL

P.S.: bleibt aktuell: Kritik, Unverständnis, Weiterteilungs-, Mitteilungsbedürfnis? Schreibt! Auch ich will weiterhin teilhaben. :-) Ebenso: die Bitte um finanziellen Beitrag, wenn Ihr wollt - die Kontodaten findet Ihr in der vorherigen Rundmail.

P.P.S.: Ich bleibe die Erklärung nicht schuldig - was ist ein SAAB? Auf jeden Fall kein Volvo, soviel war schon geklärt. Sonst aber noch viel mehr als das... ein Auto von Trollen aus Skandinavien, das im Kleinen seine Größe entfaltet und so viele kleine Entwicklungen das erste Mal spazierenfuhr, mit denen sich viele Menschen inzwischen unbewussterweise unterwegs vergnügen: die Sitzheizung, Scheinwerferreinigungsanlage, asbestfreie Bremsen, eines der ersten effektiven Recyclingsysteme im Automobilbau, den Turbomotor im Alltags-PKW, versteckte Sicherheitsausstattungen, die im Ernstfall mehr retten als jedes elektrische Helferlein richten kann, usw. usf. - und ganz besonders: SAAB ist die Basis für mich gewesen, auf Menschen zu treffen, mit denen ich solche Erfahrungen und Mails ganz besonders teilen kann. 

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25Januar
2013

An alle...

...die, die mich auf der Straße aufgesammelt und ein paar Kilometer mitgenommen haben. An alle die, die mir besonders im letzten Jahr immer wieder, immer wieder und immer immer wieder gute Gesellschaft bereitet haben. An alle, die über meine alten Saab hinaus auch mich dahinter sehen und schätzen und denen ich in selber Weise begegnen darf.

An alle, die mit mir gesungen haben. An alle, die es sowieso schon länger wissen, vielleicht aber doch aus allen Wolken (womöglich auch noch aus der siebten) fallen. An alle, denen dann und wann die frische Luft zum Atmen fehlte - ich gönne sie ihnen - :Ich bin ja schon weg. Ach nein, noch nicht ganz, aber immerhin:

Ich reise aus!

Das soll nicht heißen, dass ich ausreiße, wovor auch, es geht mir hier gut, aber vielleicht ist das direkt der konkreteste Grund dafür: Dass es mir hier gutgeht, lässt sich leicht behaupten - doch längst ist das nicht der Regelfall.

Während Urvölker aufgrund krankhaften Profitstrebens ungenannter Lebensmittelkonzerne gewaltvoll vertrieben, während Familien der Geldgeilheit irgendwelcher Monopolmarken wegen auch ihrer letzten Quellen beraubt, während "irgendwo da und dort" "irgendwelche" "Ausländer" in "Hintersonstwo" für "sonstwas für komische Marotten" verurteilt werden, geht es uns hier gut - zumindest fehlt uns zum grundsätzlich körperlichen Wohlergehen doch nicht die Möglichkeit, dieses zu erreichen, ja dessen Bedürfnisse zu erfüllen.

Was treibt denn mich an, aus diesem Wohlergehen heraus mich in eine Stadt, oder konkreter in ein Projekt zu begeben, in dem ich damit konfrontiert werde, dass nicht alle Menschen diese existentielle Sorgenfreiheit genießen? Was ändere ich schon an den Verhältnissen? Darauf kommt mir folgende Antwort: ich ändere wenig an den Verhältnissen, aber ich ändere ungemein viel an dem einzelnen Verhältnis Mensch-Mensch - noch besser ausgedrückt: ich lasse ungemein viel an diesem Verhältnis ändern, denn:

Ich mache keinen Entwicklungsdienst! Oder doch, ich mache sehr wohl einen Entwicklungsdienst - aber für mich: das, was sich da entwickeln "soll", ist kein Wassersystem, keine unabhängige Stromversorgung, keine in unseren Augen angemessenere Art der Bildung: das, was diese Entwicklung im Dienst durchmacht, bin ich. Hin zu mehr Verständnis des Verhältnisses Mensch-Mensch, zu mehr Begegnung oder auch Konfrontation mit eigenen Grenzen, zu mehr Augenöffnung und Sensibilität für die Zusammenhänge in unserer Welt/das Zusammenhängen unserer Welt.

Über meinen Verein nehme ich am Programm 'MaZ' teil ('Missionar auf Zeit'). Ich tat mich selbst am Anfang mit dem Begriff des Missionars schwer, möchte aber hier gerne einen der Eindrücke zitieren, den ich über meine Vorbereitungszeit hinsichtlich des Programmes und speziell des Missionsbegriffs erhalten habe: "(...) Es geht um das Gesendet-Sein. Das ist der Grundauftrag eines jeden Christen, und im Falle unserer Missionare auf Zeit heißt es, Eintreten in die Wechselbeziehung von Geben und Nehmen, von Sich-Einbringen und Sich-Beschenken-Lassen. Es geht darum, sich auf das ganz Andere und Fremde einzulassen und bereit zu sein, in Staunen und Achtung vor der anderen Kultur und Mentalität voneinander zu lernen."  Sr. Aloisia Höing

Die drei Eckpfeiler des MaZ-Programmes sind dementsprechend: Mitleben - Mitbeten - Mitarbeiten

Alle drei Dinge werden für mich ihre Neuerungen haben... in einer erst einmal ganz anderen, weil neuen Gemeinschaft mitzuleben, dann in dieser auch an den christlichen Gedanken teilzuhaben und -zunehmen, und zu guter Letzt dann da auch noch mitzuarbeiten - ja, das klingt ja aber nach so viel Ungewohntem, da werde ich das Letztgenannte wohl auch verkraften, weil ich total mit dem Mitleben und Mitbeten beschäftigt bin. *schmunzel*

Entgegen früherer hier und da auch geäußerter Gedanken werde ich die nächste Zeit aber nicht in Indien (ich sag' ja immer, dass ich mir das für den Rückweg aufbehalte), sondern El Paso, Texas verbringen. Hier der Link zum Projekt: www.annunciationhouse.org

Kurz mein bisher gesammelter Eindruck vom Projekt, was dort getan wird (viel intensiver wird das dann sowieso noch, wenn ich vor Ort bin und aus erster Hand berichten kann): El Paso ist eine Stadt, die an der Grenze zu Mexiko liegt - von südlicher Seite aus 'mal eben rüberhüpfen', wie wir das in der EU oder innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika (!) gewohnt sein können, ist nicht so einfach möglich. Viele Menschen aus Zentralamerika versuchen auf illegalem Wege (sicherlich würden sie es auch gerne auf legalem Wege versuchen, doch welche Möglichkeit bleibt?!), z.B. auf der Suche nach mehr und besserem Auskommen, in die USA zu kommen. Berühmt, und ebenso berüchtigt ist der 'Fence', also der Zaun, der sich ewig weit an der Grenze entlang zieht und streng patroulliert ist. Wer es trotzdem schafft, muss zusehen, dass er nicht alsbald wieder des Landes verwiesen wird. El Paso ist dabei eine Art Korridor/Übergangsbereich - hier ist es Polizisten untersagt, Personen auf offener Straße grundlos zu kontrollieren und direkt des Landes zu verweisen - wer also ohne Aufenthaltspapiere ist, kann sich zumindest in El Paso fürs Erste einrichten - zum Stichwort:

Das Annunciation House ist eine Einrichtung, die sich vorwiegend um diese Menschen kümmert, und ihnen Obdach, Nahrung, Kleidung und Vieles mehr (dabei auch wieder eine Gemeinschaft) bietet, sodass die Eingereisten sich zumindest darum erst einmal nicht zu sorgen haben. Die Stadt dient dabei auch als Sprungbrett: wer hier Geld verdienen kann, um die ersten weiteren Schritte zu wagen, wer hier einen Job findet und hier es auch packt, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, der kann es tatsächlich 'richtig' wagen und seinen Weg legal fortsetzen. Mit genannten Schicksalen werde ich also zu tun haben - wer den Film Sin Nombre schon einmal gesehen hat, wird vielleicht schon grob wissen, dass allein das "Reisen" bis zur Grenze alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Schaut Euch auf der Seite der Einrichtung gerne etwas um, hier ist bspw. genauer beschrieben, welchen Personen das House so Unterstützung ist: http://annunciationhouse.org/about-2/who-we-serve/

Einige Bitten: Gibt es Kritik oder Unverständnis, was meine Sprache und meinen Ausdruck betrifft? Schreibt mir! Ich will nicht, dass mein Mitteilen und die Übermittlung meiner Erkenntnisse, Erfahrungen, Erlebnisse auch noch an den sprachlichen Grenzen scheitern, wenn sie schon - drumherum kommen wir nicht - dadurch eingeschränkt werden.

Ich mache nicht nur keinen Entwicklungsdienst (siehe oben), ich mache auch KEIN FSJ! Bitte achtet darauf, bevor es bei Weitererzählungen etc. zu Vermauschelungen kommt.

Wenn Ihr der Meinung seid, dass meine Mails noch weiteren Menschen nicht vorenthalten werden sollten: nur zu. Ihr könnt es mich auch gerne wissen lassen, vielleicht ist's mir dann noch mehr Motivation, noch mehr zu schreiben (ich hoffe ich erzeuge damit nicht gegenteilige Reaktion: "StRudel, mein Postfach quillt über, kannst Du mal aufhören Erfahrungen zu sammeln?!")

Wer tatsächlich den Gedanken hegen sollte mich persönlich zu besuchen: am besten nicht innerhalb der ersten sechs Monate. Das ist von verschiedenen Seiten nicht gewünscht, und ich brauche auch meine Zeit, da erstmal 'nen Friseur zu finden - wäre also zum Vorteil aller Beteiligten. Wie man mich dann genau wie wann wo am besten erreicht, teile ich Euch mit, wenn ich tatsächlich angekommen bin und weiß, wo ich konkret Quartier bezogen habe.

Weiter im Text - folgender Spruch dürfte bekannt sein: "All diese Dinge wären nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung von..." - so möchte auch ich nicht ein wenig Werbung, sondern eher eine Bitte mit auf den Weg geben: Der Pallottinische Freiwilligendienst ('Leben und Lernen in Solidarität und Gemeinschaft e.V.') bzw. vielmehr die Leute dahinter, das sind Kristen und Stefan Hartmann, Michael sowie die Rückkehrer und 'Teamer', die die Vorbereitungszeit immer wieder mit frischem Wind füllen, haben mir schon jetzt, ohne dass ich schon ausgereist bin, einen großen Satz 'nach vorne' beschert. Dass ich dabei ohne finanziellen Druck an den Seminaren zu verschiedenen Gesichtspunkten teilnehmen konnte, hat sehr geholfen, ist aber nicht selbstverständlich. Der Verein und dieses ganze Projekt, von Jahr zu Jahr aufs Neue, leben von Mitteln, die die Freiwilligendienstler sozusagen akquirieren oder auch aktivieren. So ein durchschnittlicher Dienstmonat kann schnell zwischen 800-1000 Euro an Kosten verursachen (Vorbereitungsseminare, Versicherungen, Visum, Reisekosten, Nachbereitung, Begleitung während des Dienstes, ......).

Konkret wird mein Freiwilligendienst im Ausland gefördert durch das ijFd-Programm (Internationaler JugendFreiwilligenDienst), das schon einen nicht unerheblichen Teil trägt. Den größeren Batzen aber erhält der Verein und solch ein Dienst-Jahr tatsächlich aus Spenden- bzw. Solidaritätskreisen. Auch wir Freiwilligen in meiner Vorbereitungsgruppe haben uns dafür entschieden, für einen gemeinsamen Topf zu 'sammeln'. Das heißt, dass nicht jeder für seinen eigenen Dienst persönlich 'sammelt', sondern solidarisch für alle zusammen, was wiederum bedeutet, dass niemand hinten runterfällt - der, der bspw. durch kleineren Bekanntenkreis oder "Fehlen" einer (Kirchen)Gemeindezugehörigkeit einen nicht so großen Eigenfinanzanteil mit einbringen kann, wird durch die anderen mitgetragen. Für mich heißt das also auch, dass ich - egal, wie viele Moneten ich zusammenbringe - unbesorgt ausreisen kann. Auch bei den Folgejahrgängen soll es nicht am Geld scheitern - diese werden ebenso durch Eure Unterstützung mitgetragen, denn auch als weiteren Teil des Solidaritätsgedankens kommen die Gelder des jeweiligen Vorjahrgangs den nachfolgenden zugute (es ist immer eine Dreiteilung: Personen, die aus dem Dienst zurückkehren (=Rückkehrer), dann die, die gerade im Dienstland sind, und die, die sich in der Vorbereitungszeit befinden, also noch ausreisen werden).

Daher bitte ich um freiwillig gewählte Be(i)träge OHNE Personenbindung (gebt also als Verwendungszweck bspw. einfach MaZ 2013 an) auf folgendes Vereinskonto:

Pallottinischer Freiwilligendienst -- Kto. 1014253013 -- BLZ 350 601 90 (KD-Bank eG)

Für wen es wichtig ist: die Spenden sind auch steuerlich absetzbar!

Bei konkreten Fragen wendet Euch bitte an die Hartmanns: pallottiusa@gmx.de / Tel. 06755 1735 / Kristen und Stefan Hartmann - Staudernheimer Straße 1 - 55571 Odernheim am Glan.

Was ich noch wichtig zu betonen finde: mein Mitteilen und Eure Teilhabe an meinen nächsten Monaten ist NICHT abhängig von dem, was Ihr finanziell zu meinem Dienst beitragt. Auch hier trifft's ein sehr schönes Wort wieder hundertprozentig, das sich da nennt: Bedingungslosigkeit.

Ich denke, dass damit erst einmal alles gesagt ist (ich kann immer mehr erzählen als nötig, aber halte mich besser mal zurück - Stichwort 'mein Postfach!!!'): Die Fußnägel sind geschnitten, die Reiserouten gebongt (Start Sonntag 11:15 Uhr ab Frankfurt Main Flughafen, Ankunft 14:10 Las Vegas - man beachte 7 Stunden Zeitverschiebung - von dortiger Greyhound*-Station weiter mit dem Bus nach Phoenix, am Montagmorgen Umstieg da, und ab Phoenix direkt durch bis El Paso - willkommen Sitzfleisch! - sodass Ankunft am Zielort kurz vor 6 p.m., also 18 Uhr am Abend (post meridiem, also 'nach dem Mittag' - dementsprechend a.m. = ante meridiem = vor dem Mittag; Bildungsauftrag erfüllt).

Dann ist's also sowieso schon 25 Uhr, wenn ich am Ziel angelangt bin - ich denke da verlangt niemand danach, um solch eine Zeit kurz durchzubimmeln "heyho, bin gut durchgekommen, kein Glatteis, Durchschnittsverbrauch zwei Obst pro 100km, auch sonst nicht verhungert, Flugzeugessen war genießbar".), die Saabs verteilt, und mein Zimmer annääähernd besenrein übergeben. Ich wünsch' Euch bis dahin eine gute Zeit, bleibt ruhig, und gebt mir bei flixer Antwort ruhig noch was mit auf den Weg ("pack die Badehose ein!", "Kameraakkus nicht vergessen!", "ey, sag mal, kann ich vielleicht als Handgepäck mitreisen?"),

Der STefanRUDEL

 

*Greyhound ist das Fernbusunternehmen in den USA… das Personenbahnnetz ist eher dürftig ausgebaut, soweit ich informiert bin gibt es nur ganze vier Zugstrecken von Ost nach West, viel mehr werden Güter auf der Schiene transportiert, sodass sich das weitere Fortbewegen aufs Flugzeug verteilt, per PKW ange"gangen" wird, oder - als so die günstige Alternative, ich bin gespannt drauf - man eben auf die Greyhound-Möglichkeit zurückgreift.

P.S.: Bei bisher so empfangenen Rundmails ist mir aufgefallen, dass oft neuartige Begriffe erklärt werden. Beim nächsten Mal erzähl' ich Euch also, was denn eigentlich so ein 'Saab' ist. (so viel sei schon verraten: es ist kein Volvo!)

P.P.S.: Aktuell Blitzeiswarnung im Westen Deutschlands für 'ab Sonntagvormittag'. Ich freu' mich drauf. *-*